Unterwegs

100 Jahre Route 66: Top-Tipps für die Mother Road

Meine besten Tipps für die Route 66

Die Route 66 wird 100 Jahre alt! Ich bin die knapp 4000 km von Chicago bis LA gefahren und zeige euch die besten (Foto-)Stopps, die überraschendsten Städte an der Strecke und natürlich, wo es das beste Essen gibt.

Die legendäre Route 66 (Wikipedia) wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Das Centennial feiern viele Orte an der Mother Road mit Paraden, Ausstellungen oder Aktionen – aber auch ohne Events ist ein Road Trip zwischen Chicago und Santa Monica allemale die Reise wert (hier ein Bericht mit tollen Fotos im Guardian). Ich bin die knapp 4000 km im Sommer 2023 gefahren und habe aus meinen kulinarischen Erlebnissen zwischen Großen Seen und Pazifik ein Kochbuch mit 66 Rezepten gemacht: Cook across America. Meine Co-Autorin Petrina Engelke steuert dazu spannende Geschichten von Farmern, Forschern und Feinschmeckern bei und bringt euch die neun Bundesstaaten entlang der Route und deren kulinarische Besonderheiten nahe. Oder lest unten in kompakter Form meine Top-Tipps für diesen ultimativen USA Road Trip.


Santa Fe an der Route 66

Die größte Überraschung

Bis 1937 führte die Route 66 in einer nördlichen Schleife auch über Santa Fe, bevor die Strecke später begradigt (und verkürzt) wurde. Santa Fe, das sich selbst “The city different” nennt, fand ich in der Tat überraschend (und erfrischend) anders: Überall rote Adobe-Bauten statt uniformer Mall-Architektur, fußläufiges Zentrum, viel Kunst und Kunstgewerbe, tolle Restaurants und Weinbaubetriebe. Das hätte ich so an der Route 66 nicht erwartet und habe es nicht bereut, dort dreimal übernachtet zu haben.

St. Louis an der Route 66

Die größte Enttäuschung

… war für mich St. Louis (Missouri). 2,8 Millionen Menschen leben in der Metropole am Westufer des Mississippi – davon gefühlt nicht einer in Downtown. Hier herrscht der größte urbane Leerstand, den ich je gesehen habe und ein generelles Gefühl von Unsicherheit. Die Gateway Arch ist ein absoluter Hingucker, aber auch da: Sobald man den unmittelbaren Bereich verlässt und zum Wasser hinunter geht,  Brache und Verfall.

Die besten Quartiere an der Route 66

Das interessanteste Quartier

Typische Kettenmotels sind nicht so meins. Da bekommt man zwar verlässliche Standards, aber es sieht auch verlässlich langweilig aus – wobei es an vielen Orten tatsächlich keine Alternativen zu Motelketten gibt. Am besten gefallen mir noch die Country Inn and Suites by Radisson – dort mag ich das  (weitgehend) plastikfreie gute Frühstück. Am interessantesten fand ich allerdings das Motel mitten im Meramec State Park (wunderbar für etwas Natur und Wandern abseits der Mother Road) und das Tiny AirBnB House mit eigenem Dock in Galena (Kansas, scheint es nicht mehr zu geben).  Auch die “klassischen” Route 66 Midcentury Motels sind einen Versuch wert, Standard und Pflegezustand differieren allerdings gewaltig. Das Route 66 Motel in Tucumcari (NM) überzeugte hauptsächlich mit der Lautstärke der Klimaanlage, wenn auch das Flugzeug und die Oldtimer draußen immerhin eine hübsche Kulisse bildeten.

Die interessantesten Streckenabschnitte an der Route 66

Der tollste Streckenabschnitt – und der langweiligste

Der Sitgreaves Pass im nördlichen Arizona, etwas unterhalb von Las Vegas, schlängelt sich mit grandiosen Aussichten durch karge Berglandschaften – und plötzlich stehen da wilde Esel am Straßenrand.  Auch die menschenleeren, vor Hitze flimmernden Strecken vor und nach Amboy (CA) durch die Mojave-Wüste fand ich faszinierend. Wer hier kein Road Trip Feeling bekommt, dem ist wohl nicht zu helfen. Ich stell mir auf solchen Abschnitten immer vor, ich wäre als Pionier mit Kind, Rind und Wagen unterwegs gewesen. Vermutlich wäre ich schon 30 km hinter Chicago wieder umgekehrt 🙂

Ach ja: Am meisten ermüdeten mich die schnurgeraden Passagen durch Texas, wo es beiderseits der Straße nichts außer Weiden und Windrädern zu sehen gab. Zu dieser “Dust Bowl” gehören auch Oklahoma und Kansas.

Titel Cook across AmericaWas isst man in den USA wirklich? Entdecke mit uns die kulinarische Seele der legendären Route 66 – und der Menschen, die die amerikanische Küche dort prägen. Unser Kochbuch Cook across America führt dich auf eine leckere Reise auf Amerikas berühmtesten Highway. Ich habe 66 gelingsichere Rezepte von klassisch bis modern zusammen getragen - wie wäre es mit Deep Dish Pizza, Texas Cowboy Cookies, Breakfast Burritos, Hotdogs und Ribs aus St. Louis oder Grape Crostini? Dazu steuert meine Co-Autorin Petrina von Notizen aus Amerika zu jedem Bundesstaat Interviews und Geschichten über typische Produkte bei: Meet the makers! Schaut mal rein: Das Buch gibt es  bei Amazon* und natürlich im stationären Buchhandel.
COOK ACROSS AMERICA - Hardcover, 224 Seiten, 66 Rezepte (ISBN 978-3959618021)
29,99 EUR

Lohnende Umwege an der Route 66

Der lohnendste Umweg

Falls ihr dort noch nicht wart und vermutlich auch nicht mehr hinkommt:  Biegt in Gallup (NM) nach Norden ab und fahrt über das Monument Valley zum Grand Canyon. In Flagstaff (AZ) trefft ihr dann nach einer 700-km-Schleife wieder auf die Route 66.  Ja, das ist ein ordentlicher Umweg, aber ihr seht zwei der wohl spektakulärsten Landschaften der USA.

Das beste Essen an der Route 66

Das bemerkenswerteste Essen

… war sicherlich nicht das eher zähe Steak, das ich bei der legendären Big Texan Steak Ranch in Amarillo verzehrt habe. Und auch nicht der wohl teuerste Apple Pie meines Lebens im El Tovar Restaurant direkt am Kraterrand des Grand Canyon, wo man primär die Aussicht bezahlt. Nein, am typischten “Route 66” und US-Food waren Rutherford’s 66 Family Diner in Kingman (AZ), Cozy Dog Drive In in Springfield (IL) und Bedlam BBQ in Oklahoma City (OK).  Ich hatte Chicken Fried Steak (Rezept in Cook across America), Corn Dogs  und BBQ Brisket 😉 Und Jimmy’s Round-Up Cafe & Fried Pies in Oklahoma City blieb mir im Gedächtnis, weil die Kellner dort Pistolen am Gürtel trugen. Was mir persönlich den Appetit verdarb…

Fotostops an der Route 66

Der beste Fotostopp

… für sämtliche Klischees und typischen Route-66-Motive: Hackberry’s General Store nahe Kingman (AZ) und Seligman (AZ) im Allgemeinen. Toll fand ich auch die Murals in Pontiac (IL) und Oklahoma City mit dem National Western & Cowboy Museum, den Stadtteilen Bricktown und Stockyard. Auf dieser deutschen Webseite gibt es eine gute Übersicht aller “Roadside Attractions”, zum Beispiel die diversen Riesen-Werbefiguren. Chicago hat mir zusätzlich so gut gefallen, dass es als Extra-Reise auf der Bucket List meines Lebens gelandet ist.

Highlights der Route 66

Mein absolutes Highlight

… war schlichtweg, gut drei Wochen in den Staaten “on the road” gewesen zu sein. Knapp 5000 km Strecke, fast immer stressfrei und mit Tempomat zu fahren, weil verglichen mit D wenig Verkehr herrschte (LA nehmen wir jetzt mal raus). Neun ganz unterschiedliche Bundesstaaten, 13 verschiedene Hotelbetten. Ganz viele Besuche in Antique Malls und Walmarts. Kein einziges Essen von McD & Co, dafür extrem köstliche Zimtschnecken, Pies, Soup & Salad und ganz viel TexMex aus Mom & Pop-Restaurants.

All das zusammen war eine Traumreise – die ich mir glücklicherweise noch Pre-Trump2 gegönnt habe. Inzwischen käme ich vermutlich nicht mal mehr rein in die Staaten, wenn ich meine Social Media Wortmeldungen mal Revue passieren lasse 😉 Wie sieht’s bei euch aus? Sind die USA aktuell ein Reiseziel für euch oder eher nicht? Schreibt mir das gern unten in die Kommentare.

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