Benjamin Franklin gilt als ein Held der amerikanischen Biergeschichte, denn er prägte den Satz: „Bier ist der Beweis, dass Gott die Menschen liebt.“ Nach ihm ging es allerdings erst einmal ordentlich bergab mit Qualität und Ansehen des amerikanischen Bier – bis Präsident Barack Obama letztes Jahr in der Küche des Weißen Hauses ein Honey Ale selbst braute und sich damit an die Spitze einer Bewegung setzte, die die Brauwirtschaft jenseits des Atlantiks ordentlich durchgeschüttelt hat: Die Craft Beer Revolution ist da.
Von Nina Anika Klotz, www.Hopfenhelden.de
Das mit dem Bier in den USA ist wie mit dem Essen. Die Leser dieses Blogs wissen das ja: In der breiten Masse gibt es da ganz viel Mist, keine Frage. Dazwischen verstecken sich aber auch richtige Perlen.
Mit der großen Whole-Foods-besser-und-bewusster-Essen-Welle der letzten fünf, sechs, vielleicht zehn Jahre, seit man in Brooklyn den Samstagmorgen gern auf dem Farmers‘ Marketverbringt um „organic greens“ zu shoppen und seit in Kalifornien Kolonnen exzellenter Foodtrucks mit Gourmet Street Food durch die Straßen rollen, seitdem ist das gute Bier in den USA eine richtig große und spannende Sache. Sie nennen es Craft Beer. Craft wie Handwerk. Und Beer wie Bier eben. Nur eben besser als Bud Light, Coors und wässriges Miller aus der Dose.
Der Marktanteil der Craft Biere steigt stetig

Craft Beer ist, ganz einfach und kurz gefasst, Bier, das nicht aus der Großbrauerei kommt. Bier, hinter dem kein Weltkonzern wie Inbev steht, sondern ein paar Männer (und erfreulich oft auch ein paar Frauen), die Bier mit Eigensinn und Liebe brauen statt irgendwelchen Marketing-Strategien folgend und dem Massengeschmack entsprechend. Ihnen geht es weniger um Gewinnmaximierung und Profit, sondern mehr um ihr außergewöhnliches, besonderes Produkt und manchmal auch um die Erfüllung ihres Lebenstraumes: Brauer sein.
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Die Ursprünge der Craft-Beer-Bewegung
Ihre Wurzeln hat die Craft Beer Bewegung in den 1970ern. Oder nein, wenn man ganz genau ist, um 1920. Vor der Prohibition gab es in den USA zahllose kleine bis mittelständische Brauereien, von denen viele von deutschen, belgischen, englischen Einwanderern gegründet worden waren. Entsprechend vielfältig war auch das Bier, das im Amerika des frühen 20sten Jahrhunderts getrunken wurde. Während der Prohibition aber mussten alle diese Unternehmen dicht machen und als das Alkoholverbot aufgehoben wurde, übernahmen drei große Braukonzerne den gesamten US-Markt: Anheuser-Busch, Miller und Coors. Alle drei brauten ziemlich gleich schmeckendes Bier: „crisp lagers“, knackige, nicht zu bittere Biere, möglichst billig, schnell und konstant in gigantischer Menge gebraut.
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Craft Beer Macher der ersten Stunde sind etwa Jim Koch, Gründer der Brauerei Samuel Adams in Boston, oder Ken Grossman von Sierra Nevada in Kalifornien. Führend sind heute außerdem die Brooklyn Brewery, New York, Left Hand Brewing, Dogfishhead, Stone Brewing Company,Lagunitas. Und alle Nase lang macht eine neue Craft Brewery auf. Wohl noch in diesem Jahr werden es laut Brewers‘ Association 3000 sein.
» Wie die Bewegung langsam über den Atlantik nach Europa schwappte, lesen Sie in Kürze in Teil 2 des Artikels.




2 Kommentare
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