Auf den Spuren der Süßkartoffel & ein Rezept für Mini-Cheesecakes (Werbung)

„And what’s your favorite recipe for sweet potatoes“? Miss Susie, Matriarchin der Kornegay Farm in Princeton, North Carolina, muss nicht lange überlegen: „Roasted. From the oven. With butter and a cup of sugar on top – almost like candy!“ Deutlicher kann man den Unterschied kaum machen: Dort – also USA – sind Süßkartoffeln ein Traditionsgericht und werden (super)süß, zubereitet, gern als Dessert. Hier – also D – kennen wir das Gemüse noch nicht wirklich lange und schlagen beim Verarbeiten meist einen komplett anderen Weg ein: Salzig-knusprig (ich sag nur Süßkartoffelpommes), geröstet (in Püree) und/oder als milden Kontrapunkt in scharfen indischen Curries oder trendigen Bowls.

 Süßkartoffel-Cheesecakes Süßkartoffelsuppe

Die beiden Seiten der Süßkartoffel: Links herbstliche Sweet Potato Mini Cheesecakes (Rezept findet ihr ganz unten) und rechts eine würzige Süßkartoffelsuppe (Rezept in meinem Crocky-Blog slowcooker.de)

Dass Süßkartoffel sowohl salzig als auch süß großartig schmeckt, weiß ich schon lang. Aber was ich bislang nicht wusste: Wie Süßkartoffeln angebaut und geernet werden oder was sie von „normalen“ Kartoffeln unterscheidet. Dass ich es jetzt tue, verdanke ich der North Carolina Sweet Potato Commission, die eine Gruppe deutscher Foodblogger in die Heimat der Süßkartoffel eingeladen hatte. 400 Farmer produzieren im feuchten, warmen Südstaaten-Klima North Carolinas etwa 60 Prozent der US-Süßkartoffelernte – und davon gehen 35 Prozent wiederum in den Export nach Europa.

Süßkartoffelernte ist Handarbeit

Falls ihr also Süßkartoffeln mögt, habt ihr garantiert schon mal ein Exemplar aus North Carolina gegessen – vermutlich sogar eines von der Kornegay Farm oder von den Boyette Brothers. Auf beiden Farmen haben wir die Felder besichtigt, unterschiedliche Sorten kennengelernt und die Ernte gesehen.

 Süßkartoffelsorten

In Europa kennen wir nur rotbraune Süßkartoffeln mit orangem Fruchtfleisch. In den USA sind viele weitere Sorten erhältlich – von gelbfleischig und riesig mit lila Schale bis zu winzig mit weißem Inneren.

Die Ernte des vermeintlich rustikalen Gemüses geschieht größtenteils per Hand, denn die Haut der Süßkartoffeln ist anfällig für Verletzungen. Also grubbern zwar Traktoren die Erde auf und entfernen das Kraut, aber gelesen werden die empfindlichen Knollen per Hand von  mexikanischen Arbeitern. Die Erntehelfer werden saison- und kolonnenweise beauftragt und eilen im Laufschritt durch die Reihen. Zehn Stunden lang, bezahlt wird per Korb – eine unglaublich schwere körperliche Arbeit. Doch wie der Vorarbeiter unserer Gruppe auf spanisch erzählte, ist der Verdienst gut und allemale besser als in der Heimat. Viele Kolonnen kommen oft jahrelang zur gleichen Farm, wohnen in Gemeinschaftsquartieren und ernten außer Süßkartoffeln auch Tabak, Sojabohnen, Baumwolle oder Obst. Auf deutschen Spargel- oder Erdbeerfeldern ist es nicht anders…

 
Bilder von der Ernte: Der Trecker macht die grobe Arbeit, gelesen wird per Hand

ERntehelfer

How to toughen up the Sweet Potato

Bei der Ernte ist die Süßkartoffel also eine Mimose. Und genauso bei den ersten Verarbeitungsschritten, dem Waschen, Sortieren und Verpacken. Haben die Süßkartoffeln das unbeschadet verstanden, lagern die Farmer sie zunächst einige Tage in warmem, feuchten Klima. Dabei verwandelt sich Stärke in Zucker, das Fruchtfleisch wird süßer und die Schale härtet aus, so dass die Süßkartoffel anschließend bei kühlen Temperaturen bis zu einem Jahr verkaufsfrisch bleibt.

Süßkartoffeln in der Verarbeitung
Der Weg der Süßkartoffel: Aus der Wäsche in die große Lagerkiste und dann in die bunt beschriftete Transportkiste 
 

Wo die weniger schönen oder angeschlagenen Knollen landen, sahen wir übrigens auch: Die Firma Yamco produziert in Snow Hill, NC, für die Industrie Süßkartoffelpüree, das letztendlich in Babynahrung, BBQ-Saucen, Pies oder Suppenkonserven Verwendung findet. Oder in Eiscreme oder erstaunlicherweise Wodka. Obwohl: So erstaunlich auch wieder nicht. Wenn Russen seit Jahrhunderten Wodka aus Kartoffeln brennen, müsste die US-Amerikaner das schließlich auch mit Süßkartoffeln können, erzählte augenzwinkernd der Geschäftsführer.


Wodka aus Süßkartoffeln? Erstaunlich mild – aber lieber sind mir persönlich doch die Süßkartoffelfritten!

Süßkartoffeln: Die inneren & äußeren Werte

Natürlich haben wir Süßkartoffeln bei unserer Bloggertour nicht nur gesehen, sondern vor allem auch gegessen! Trotz des „süß“ im Namen ist das übrigens ein gesunder Genuss: Süßkartoffeln sind reich an Vitamin A und C, ballaststoffreich und kalorienarm, vor allem natürlich, wenn man sie nicht gerade frittiert, sondern zum Beispiel in der Schale backt. Die Kohlehydrate der Süßkartoffel sind komplex und treiben den Blutzuckerspiegel weit weniger in die Höhe als Vollkornbrot oder „normales“ Kartoffelpüree. Und sagte ich schon, dass sie einfach superlecker sind? 😉

Ein erstes Sweet-Potato-Tasting erlebten wir in Wilmington im Love, Lydia-Cafe, wo die sympathischen Besitzer Lydia und Dean ein Dreigang-Menü für uns gekocht hatten: Süßkartoffelsuppe mit Birne und Kernen, knuspriger Asia-Schweinebauch im Süßkartoffelbrötchen und zum Dessert Süßkartoffelsorbet mit weißer Schokolade und kandierter Zitrusschale. Alles war sehr attraktiv angerichtet, unglaublich lecker, frisch gekocht aus regionalen Zutaten – wir waren begeistert!

Sweet Potato Menü im "Love, Lydia"-Cafe 
Foodblogger unterwegs: Bevor etwas verzehrt wird, muss es dokumentiert werden! 

https://www.usa-kulinarisch.de/rezept/challah-hefezopf/

Und genauso groß war die Begeisterung, als sich unplanmäßig noch die Gelegenheit ergab, in der Küche einer unserer „Reiseleiterinnen“ (thanx so much, Kelly!) selbst zu kochen, Hey, wir sind doch Foodblogger und nicht nur Testesser… Wir stellten uns also ebenfalls die Challenge „Koche drei Gänge mit Süßkartoffel“ und das kam dabei heraus: Kochheld und Küchenchaotin bastelten eine Quinoa-Bowl mit Erdnusssauce, Zuckerzimtundliebe und Heavenlynnhealthy ein gemüsiges Thaicurry. Das Dessert kam von Wiewowasistgut, A matter of Taste und mir: Mini-Cheesecakes! Natürlich mit mehr als nur einem Hauch Zimt (wir sind schließlich in den USA) und pürierter Süßkartoffel. Haltet mal Ausschau in den Blog der anderen nach den jeweiligen Rezepten, die herbstlichen Cheesecakes findet ihr unten!

Mini Sweet Potato Cheesecakes

(für 12 – 16 Stück, je nach Größe der Muffinform)

Boden:
100 g Spekulatius, zerdrückt (in den USA hatte ich Ginger Snaps)
40 g Butter, flüssig

Füllung:
125 g gegarte Süßkartoffel (am besten aus in der Schale gebackenen Knollen, alternativ Würfel in sehr wenig Wasser weich kochen und abgießen)
Prise Nelken, Zimt, Muskat, Ingwer
400 g Frischkäse (auch Halbfett/Balance geht)
100 g saure Sahne
100 g Zucker
1 Paket Vanillezucker
1 TL Speisestärke
2 Eier

Zum Garnieren:
zerbröselte Spekulatius, Pecan-Nüsse

Zubereitung:

Eine Muffinform mit Papierförmchen auslegen. Für die Böden der Cheesecakes die zerdrückten Kekskrümel mit der Butter vermengen, jeweils 1 EL in das Förmchen geben und mit der Rückseite eines Löffels fest drücken. Beiseite stellen.

Für die Füllung die gebackene Süßkartoffel pürieren, in einer kleinen Schüssel beiseite stellen. In einer großen Schüssel Frischkäse, saure Sahne, Zucker, Vanillezucker, Speisestärke und Eier zu einer glatten Masse verrühren (nicht luftig schlagen!).

Die eine Hälfte der Creme abgießen und beiseite stellen, die andere Hälfte mit dem Süßkartoffelpüree glattrühren und mit den Gewürzen (Zimt, Nelken, Muskat, Ingwer) mehr oder minder „weihnachtlich“ abschmecken. Erst die Süßkartoffelcreme, dann die helle Frischkäsemasse vorsichtig auf den Kuchenboden gießen, einige Spekulatiuskrümel obenauf bröseln.

Bei 170 Grad Ober-/Unterhitze etwa 18 bis 20 Minuten backen, die Cheesecakes sollten sehr hell bleiben und einfach nur gestockt sein.  Mit Pecannüssen verzieren.

Tipp: Am cremigsten schmecken die Cheesecakes, wenn sie vor dem Verzehr einen Tag durchziehen können.

Disclaimer: Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Pressereise der North Carolina Sweet Potato Commission. Anreise und Unterkunft wurden übernommen.

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5 Kommentare

  1. Petrina sagt:

    Danke für die tollen Einblicke, liebe Gabi!

    Dein Rezept wäre glatt ein leckerer Überraschungsnachtisch für Thanksgiving! Ich koche sehr gern mit Süßkartoffeln, die ich erst nach dem Umzug nach New York so richtig zu schätzen gelernt habe. Hier im Norden nutzen wir sie für alle möglichen Zwecke. Ich mag z. B. gern einen Dipp auf Süßkartoffeln, schwarzen Bohnen (beides gekocht und dann püriert), Kurkuma, Salz, Cayennepfeffer und Limettensaft.

    Liebe Grüße
    Petrina

    • gfra-admin sagt:

      Ja, stimmt, Petrina – auch im (Süd-)westen wird Süßkartoffel oft mexikanisch gewürzt. Das supersüße ist tatsächlich wohl ein „Problem“ der Südstaaten 😉

  2. Carolin sagt:

    Wow, das klingt nach einer wirklich tollen Reise! Auf Instagram habe ich das ja schon ein wenig verfolgt, aber gerade über die Ernte von Süßkartoffeln hab ich mir bislang nie Gedanken gemacht … komisch eigentlich!
    Danke für den Reisebericht und das Cheesecake-Rezept!

  1. 19. November 2018

    […] Übrigens: Den detaillierten Reisebericht und ein Rezept für geniale Mini-Cheesecakes mit Süßkartoffel findet ihr auf meinem anderen Blog USA […]

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