Blogevent ReCreate: Steinzeit-Bloggen & Peanut Butter Cookies

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Jede Familie hat doch so einen Onkel, der ständig vom Kartoffelkrieg 1880 erzählt oder eine Oma, die in Dauerschleife von den „schlechten Zeiten damals“ redet. Ich bin jetzt mal – temporär – so eine Oma. Aber schließlich hat Marc vom großartigen Backblog Bake to the Roots ausdrücklich dazu eingeladen, beim Blogevent RE CREATE alte Blogposts wieder hervorzuholen, sich quasi mit der eigenen Blogvergangenheit zu beschäftigen und aus alt neu zu machen.

Rezept-Recycling oder: Alt ist relativ

Rezept-Recycling, tolle Idee! Finden ganz viele Foodblogger (zu Recht) und re-posten Kuchenfotos, die sie vor sechs Monaten bei schlechtem Licht aufgenommen haben. Oder vor zwei Jahren auf der wuseligen Küchenarbeitsplatte auf gemustertem Geschirr. Oder vor vier Jahren mit der alten Digitalkamera, die nur 8 Megapixel hatte.

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Kunstlicht, lila Geschirr, Papierservietten: Einige meiner Foodfotos from hell…

So, ihr Lieben, jetzt komme ich mit wirklich „schlechten Zeiten“: Als ich mein erstes Rezept online stellte (Chocolate Chip Cookies auf einer „privaten Homepage“ beim Freehoster Tripod, 1998) gab es Digitalkameras noch nicht mal! Zumindest keine, die eine freiberufliche Journalistin wie ich hätte bezahlen können. Genausowenig gab es günstigen Webspace, auf dem man diese Fotos hätte seinen Rezepten zuordnen können. Oder Internet-Zugänge, die den Up- und Download solcher „gewaltigen Datenmengen“ erlaubt hätten. Zur Erinnerung (jaja, die schlechten Zeiten, ihr wisst): In der Pre-Flatrate-Ära rechneten AOL und Compuserve Traffic megabyteweise ab. Damit kostete jedes animierte GIF auf der eigenen Webseite quasi ein Vermögen und zu viele Besucher wollte man gar nicht – ohoh, der Traffic! Folgerichtig bestand das zweite Design von USA-K (das erste finde ich nirgendwo mehr wieder, ist vermutlich auch besser so)  überwiegend aus Farbflächen:

Blogdesign anno 2001
USA-K anno 2001: Man beachte den  innovativen Verlauf in blassgelb und den total originellen Donut als I-Punkt…

Weil Ladezeiten und Hoster es nicht zuließen, waren die USA-Rezepte auf meinem Blog (damals hieß es Homepage) in den Anfangsjahren unbebildert. Später habe ich Fotoabzüge eingescannt (briefmarkengroß) und etwa 2003 die erste Digitalkamera angeschafft. Glücklich über die Tatsache, überhaupt Fotos mitnehmen zu können (stolze 300 Pixel breit, boah!), habe ich an Bildqualität, Ästhetik oder gar Foodstyling keinen Gedanken verschwendet.

Peanut Butter Cookies peanutcook
Peanut Butter Cookies anno 2004 (links) und 2009 (rechts)

In der Kürze liegt die Würze

Genauso sparsam wie mit den Bildern gingen Homepage-Autoren (das Wort Blogger musste erst noch erfunden werden) seinerzeit mit Text um. Klar gab es längere Artikel – aber das waren quasi-wissenschaftliche oder zumindest journalistisch-ernsthafte Abhandlungen zu exakt umrissenen Themen (siehe hier: Das Wesen der amerikanischen Küche). Lockeres Geplauder, Blicke hinter die Küchenkulissen? Genau das, was die vielen tollen „jungen“ Foodblogs so interessant macht? Fehlanzeige. Erst recht bei mir, denn ich bin ausgebildete Tageszeitungs-Redakteurin und habe das Sich-selber-aus-Geschichten-raushalten jahrzehntelang beruflich gepflegt. Insofern ist es bei USA-K schon eine Weiterentwicklung, wenn ein Rezept nicht nur einen knappen Einleitungssatz, sondern tatsächlich eine Minigeschichte enthält 🙂

Coffee Cake Muffins
Ist doch alles gesagt, oder? Wer mehr wissen will, soll einen Roman lesen…

Fazit: Alt bleibt Alt

Wenn ich es genau nähme (und den entsprechenden Ehrgeiz hätte) könnte ich sämtliche USA-kulinarisch-Beiträge und Rezepte aus Vor-Wordpress-Zeiten (also 2009) neu machen – nochmal besser (oder überhaupt) fotografieren, auch die allerletzten Maßangaben von Cups auf Gramm umrechnen und die Texte „bloggerisch“ überarbeiten. Aber ehrlich? Nö. Erstens sind es zu viele (fast tausend) , zweitens muss irgendwer ja auch das Museum des Internets sein, drittens steht mir nach ganz vielen dieser „alten Kamellen“ nicht mehr der Sinn. Grusel-Food war lustig, als meine Kinder in der Grundschule waren, aber inzwischen tummeln sie sich an der Uni 😉

Nochmal gekocht und neu fotografiert werden also höchstens Rezepte, die absolute Standards in meiner Küche sind – wie die oben schon erwähnten Peanut Butter Cookies, Favorit meines Sohnes (ein Erdnussbutter-Junkie). Optimieren der Rezeptur war in diesem Fall nicht mehr notwendig – von diesen Keksen wurden garantiert schon tausende verzehrt. Einen der frischen, exakt geformten reiche ich hiermit weiter an Marc zu seinem Bloggeburtstag – als Fellow-US-Fan mag der ihn hoffentlich!

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Peanut Butter Cookies (ca. 24 Stück)

Zutaten

  • 250 g Mehl
  • 1 TL Backpulver
  • 1/2 Teelöffel Natron
  • 1/4 TL Salz
  • 125 g Margarine, zimmerwarm
  • 125 g Erdnussbutter, zimmerwarm
  • je 100 g brauner und weißer Zucker
  • 2 kl. Eier
  • 50 g grob gehackte Erdnüsse (optional)

Zubereitung
Den Ofen auf 175 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Zwei Backbleche mit Backpapier auslegen, beiseite stellen.

Mehl, Backpulver und Natron in eine Schüssel sieben und Salz untermengen. Beiseite stellen. Erdnussbutter, Fett und den gesamten Zucker in der zweiten Schüssel mit einem elektrischen Mixer auf mittlerer Stufe schaumig schlagen. Die Eier einzeln zufügen und jedesmal gut verrühren. Die Mehlmischung zugeben und gut einrühren, ev. gehackte Erdnüsse untermischen.

Den Teig mit den Händen oder einem Eisportionierer zu 2-3 cm großen Kugeln formen und diese im Abstand von 4-5 cm auf die Bleche setzen. Jede Kugel mit einer Gabel zweimal flachdrücken, so dass ein Karomuster entsteht und die Plätzchen gut 0,5 cm dick werden. In der Ofenmitte 10 – 12 Minuten goldbraun backen, dann auf einem Kuchengitter abkühlen lassen.

Mir persönlich sind diese Kekse etwas zu „chewy“, ich verlängere die Backzeit um ein bis zwei Minuten.

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