Foodcheck: Anne goes USA – oder: Wie man den Hamburger-Contest verliert

Mit Anne Überall (ja, sie heisst wirklich so 😉 ) bin ich auf einem Blogevent in Düsseldorf ins Plaudern gekommen. Als sie mir von ihrer bevorstehenden Premieren-Reise in die USA erzählte, habe ich sie gebeten, dass sie mir (und Euch) ihre Eindrücke wieder gibt. Denn als Neuling sieht man manches gaaaanz anders denn als „seasoned veteran“, der sich schon durch mehrere Bundesstaaten gefuttert hat. Danke für deinen charmanten, erfrischend-subjektiven Bericht und die tollen Fotos, Anne! Mehr von Anne zum Thema Food, Reisen und DIY findet Ihr bei Überall & Nirgendwo.

Foodcheck

Hallo USA Kulinarisch-Leser! Schön bei euch zu sein! Ich freu mich!

Ich möchte heute mit euch ein wenig über meine höchstpersönlichen Erfahrungen was USA-Food betrifft plaudern, die ich auf unserem 4-wöchigen Roadtrip durch den Nordosten der USA im Sommer diesen Jahres ausgiebigst testen konnte. Wahrscheinlich hat jeder einzelne Leser dieses Blogs schon mehr Erfahrung mit amerikanischem Essen als ich ;-D……schon möglich……denn ich war vorher noch nie in den USA! Tatsächlich. Aber irgendwann muss man ja schließlich einmal damit anfangen. Selbstverständlich reiste ich nicht allein. Mit dabei waren mein USA-erfahrener Mann und unsere drei Söhne Ü 3.0, Ü2.0 und Ü 1.0 (9,13,16), ebenfalls wie ich USA-Neulinge.

Vor der Reise hatten wir wirklichwirklich viele Gedanken gewälzt, wie es denn wohl so werden würde. Ist es wirklich so, wie alle immer sagen? Gibt es dort nur Burger und Pommes mit ColaFantawasweißichnicht und viel zu viele dicke Menschen? Ist Gemüse, Salat & Co wirklich so fürchterlich teuer und (deshalb vielleicht?) nicht sehr beliebt? Ist alles Süße triplesüß und ist da tatsächlich soviel Chemie im Essen? Fragen über Vermutungen und nochmals Fragen.

Vielleicht muss ich mich aber, bevor ich euch mit meinen Fotos zuwerfe, auch gerade einmal vorstellen……..so esstechnisch. Nur zum weiteren Verständnis meiner Ausführung 😉 Gestatten, ich bin ein völlig durchschnittlicher Europäer, Ich bin keine Öko, kein Vegetarier, noch weniger Veganer. Auch nicht Sport- oder Superfoodbesessen. Ich mag gesundes Essen, bin großer Freund der asiatischen und italienische Küche und esse und kaufe gerne aber nicht immer Bio. Ich mag auch gerne mal den ein oder anderen Burger, Pommes liebe ich, Pizza und Nudeln sind sowieso immer gut, denn ich bin als Kind in Italien kultiviert worden. Ich liebe auch Süßes, Nachspeisen, Kuchen, Kekse, Schokolade, Eis alles super und ja…..ich mag auch Cola und Sprite. Ich fühle mich völligst durchschnittlich mit meinem Essverhalten. In keinster Weise extrem. Aber eben wahrscheinlich nur als Europäer gesehen.

Hamburger essen in den USA

Schon nach einer Woche in den USA, wir starteten von Providence, hatten wir gecheckt, dass das mit der überwiegenden Ernährung der Amis von Burgern und Pommes gemessen am Verhältnis von Burgerundpommesläden zu andersartigen, eigentlich kein Witz ist. So lernten wir Johnny Rockets lieben (der Burger s.o.), waren verblüfft von der Anzahl der Mc Donalds und noch mehr von der der Dunkindonuts und mein Mister Ü (mein Mann ;-)) und die Söhne starteten ihren Fourweeksburgercontest (wer schafft die meisten?). Ich war schon nach einer Woche weit abgeschlagen, weil ich in einer Foodcorner in Boston einen genialen Thai entdeckt hatte, der mich regelmäßig mit seinem Barbecuechicken anlachte. Na und dann kommt bei mir, wenn ich die Wahl habe, halt doch immer die Liebe zum asiatischen Essen durch.

Keine Angst vor Speisefarben!

Unser erster Supermarktbesuch war superspanned. Soviele bunte Packungen Fertigfood, Millionen unterschiedlicher Chips und Cracker, Soßen und Cremes für jeden Zweck……..soviel verrücktes Zeug hatten wir im Leben noch nicht gesehen. Ich entdeckte und testete unfreiwillig „Selfrising flour“, ein Mehl, dass wie von Zauberhand die Pfannkuchen aufpuffen lässt, mit bunten Farben und wilden Geschmäckern angereicherte Limos und auch sehr strange……eine irre große Menge fertiger Diätlebensmittel, bei denen die Kalorienzahl per unit meist die größte Angabe ist. Überhaupt stellte ich nach ein paar Wochen in den USA fest, hier gibt es in erster Linie zwei Fraktionen: Die eine, die nach wie vor beinhart nur von Burgern, Pommes und Fertigfood leben (und seeehr lustig…..in Amerika gehen ja auch Omis und Opis zu Mc D…….bei uns ja eher nicht, höchstens mit den Enkeln ;-D) und die andere, die auch irgendwie übertreibt, weil sie ihren Diätwahn und Körperkult extrem ausleben. Dazwischen ist nicht viel.

Die Anzahl der moppeligeren Menschen fand ich erstaunlicher Weise in etwa gleich wie hier in Europa. Vor Jahren noch muss das schlimmer gewesen sein, klärte mich mein Mann auf. AHA. Da haben die Amis wirklich was kapiert, auch wenn sich das für mich noch nicht in der Restaurantstruktur wiederspiegelt. Immer hin habe ich nirgendwo mehr Allyoucaneat-Angebote, 2 Liter Colas oder Triple-Burger gesehen. Das ist der Weg. Wahrscheinlich müssen inzwischen eher die Europäer aufpassen, dass es nicht aus dem Ruder läuft.

Saucenauswahl im Supermarkt

Selbstverständlich aßen wir auch Hummer, das ist ja an der Ostküste ein Must-do, na und da ich sowieso größter Fan der Tierchen bin…..ja. Auch wenn der Hummer wirklich gut war, dazu gab es einen Maiskolben oder wahlweise Pommes….tssss. Hm. Und das war nicht nur bei Lobster Hut so!

Lobster essen

Am glücklichsten waren wir eigentlich alle nach ein paar Wochen mit mexikanischem Essen. Okay, dieser ewige Cheddar als Käse (für mich ist das kein Käse…..das ist Klebstoff….;-D) ist nicht so unseres, aber da hatten wir uns nach einiger Zeit dran gewöhnt.

Mxikanisch essen

Mehr mexikanisch essen

Natürlich wurde auch mal selbst gegrillt. Na, und da kann ich eigentlich nur jubeln. Das Fleisch war qualitäts- und preisleistungsmäßig megabombe, obwohl nur im Supermarkt gekauft und fertig abgepackt (Da fällt mir grad auf…..ich hab in den 4 Wochen keinen einzigen Metzger irgendwo gesehen. Gibts das da nicht????)! Wir hatten ein 1 kg Steak und das kostete mal grade 12 Dollar, hier würde man für eines, dass auch noch so großartig schmeckt, wahrscheinlich das dreifache bezahlen. Also Fleisch, JA!, das können die Amis! Aber wie! Und by the way…….natürlich ist das patty auf den Burgern auch von viiiieeel besserer Qualität als hier!

Fleisch in den USA

Da ich ein wenig Familie in den USA habe, hatten wir die einmalige Möglichkeit auch einmal zu schauen, wie denn hier so zuhause gegessen und für Gäste gekocht wird, z.B. beim klassischen BBQ. Hier gabs zu meiner Freude gesmoketen Lachs, Scampi, toll gewürzte Spareribs, verschiedene Salate, echten(!) Käse und sogar einen echt tollen Applepie mit Vanilleeis zum Nachtisch. Na also, geht doch ;-D!

BBQ mit Familie

Ein einziges Mal fanden wir auf unserer Reise einen Italiener, der wirklich ziemlich nah dran war an dem, was man auch in Italien bekommt. Okay….etwas viel Ricotta in der Lasagne, aber ansonsten schon schrill, dass man überhaupt Artischocke auf der Speisekarte fand. Und die war auch noch richtigrichtig gut! Falls ihr mal in der Gegend seid und Burger dicke habt, testet am Lake George im Hotel Melody Manor die Villa Napoli.

Italienisch essen in USA

Spannend war es ja auch Streetfood auszuprobieren. Das gibt es nicht überall in den USA, aber in New York ziemlich viel. Die beste Bude der Stadt soll diese hier sein……die Halal Guys. Und ehrlich…..es war riiiiiesig lecker! Gyros, Chicken, Falafel…..super! Don´t miss it, when you are in Big Apple!

Street Food in New York

Selbstverständlich hab ich auch amerikanische Kuchen und Cupcakes ausprobieren wollen. Ich war in der Magnolia Bakery und testete auch Georgetown Cupcake. Alles war sehrsehr gut, supercremig, aber auch sehr mächtig, schwer und sehr süß. Aber wahrscheinlich schmecken die nur genauso. Cupcakes ohne diese dicke Creme oben drauf sind, denke ich, langweilig. Dann isst man sie lieber gar nicht, denn die, die ich hier in Deutschland bisher gegessen habe, waren alle nur halb so mächtig, aber auch nur halb so gut.

Magnolia Bakery

Cupcakes

Zuletzt noch ein paar Worte zu unseren absoluten Süßigkeiten-Favoriten, ohne die wir im Urlaub mit 3 Kindern natürlich nicht auskamen. Da wir hier alle ganz große Karamellfans sind, fanden wir die Milkduds einfach genial. Nicht supersüß, dazu noch klein. Perfekt. Super quietschig lecker und vor allem sauer waren auch die kultigen sour patches. Na und der Oberlacher und -Gag war diese gefriergetrocknete Astronauteneiscreme (Kein Witz! Die ist genauso mit ins All geflogen!)…….schon allein der Erfahrung wegen ;-D!

USA-Süßigkeiten

Mein höchstpersönliches USA-Foodcheckresumee:

Also ich bin da ganz ehrlich……. für mich gibt´s in Amerika eindeutig zu viele Burger und Pommes und einfach nur des Geschmackes und der Vielfalt wegen zuwenig Gemüse, Kräuter, Obst und kochtechnische Vielfalt. Mir ist auch meistens zuviel Chemie im Essen, aber gut, das weiß man hier in Europa ja auch nie so genau. Richtig begeistern konnte ich mich für amerikanisches Essen nicht. Amerika ist aber in jedem Fall ein großartiges Land, dass uns alle sehr begeistert hat. Wir möchten auf jeden Fall noch viele Male hinfahren und insbesondere auch noch die Westküste sehen, so schön wars! Vielleicht gewöhnen wir uns dann ja doch noch an die Burger ;-D

Ach und wie der Fourweeksburgercontest ausging?

Wir hatten 2 Gewinner: Mister Ü und Ü 1.0 mit jeweils 10, Ü 2.0 und 3.0 mit jeweils 6, weit abgeschlagen Frollein Ü mit 2 (einer mit Hummer, der fiel aus der Wertung). Ihr lacht uns wahrscheinlich aus…….;-D……aber erstmal können wir alle hier keine Burger mehr sehen.

Tschö ihr Amerikaner 😉

anne_unterschrift

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7 Kommentare

  1. Sandra sagt:

    10 Burger in 4 Wochen ist wirklich süß… ich schick Dich mal mit meinem Mann in die USA, der schafft es 2x Mal am Tag einen Burger zu essen. Ich muss dann zwischen drin immer mal sagen: „Schatz, können wir heute mal was mit Messer & Gabel essen gehen ;-)?!?“
    Ein toller Bericht.

  2. Schorsch D-H. sagt:

    Hi,
    bin zufällig hierher gestossen, ganz lustiger Bericht, aber „nur“ 10 Burger in vier Wochen????? (da wäre ich bestimmt der Gewinner gewesen…denke ich 😉
    Mal eine Frage zwischen die Zeilen, wenn Du die beantworten magst, ich interessiere mich auch für die nörgliche Ostküste, wie viel muss man in dieser Gegend für so nen 4wöchigen Trip, ohne Flug, so kalkulieren mit 2-3 kids?

    Danke u Gruss!

  3. Anne sagt:

    Vielen Dank liebe Gaby, dass ich bei dir von meinen sehr persönlichen Eindrücken über das amerikanische Food schreiben durfte ;-)! GlG Anne

  4. maTTes sagt:

    Johnny Rockets ist auch cool 🙂
    Bei Five Guys finde ich die Burger aber noch besser!

  5. Carsten sagt:

    Danke für deinen Bericht! Hat mir Spaß gemacht ihn zu lesen. Vor allem da es uns in den USA ganz ähnlich ergangen ist. Allerdings haben wir es geschafft jeden Abend ein vernünftiges Restaurant zu besuchen und ebenfalls dem Burgerwahn zu trotzen! 🙂

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